
Cannabiskonsum im Straßenverkehr: Neue Gesetze, neue Regeln
Die Legalisierung von Cannabis in Deutschland hat weitreichende Auswirkungen, insbesondere auf die Teilnahme am Straßenverkehr.
Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) im April 2024 und den damit verbundenen Änderungen in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) ergeben sich neue Regeln für Cannabiskonsum im Straßenverkehr.
Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen, die Auswirkungen auf die Fahreignung und die Bedeutung der Medizinisch-Psychologischen
Untersuchung (MPU) im Kontext der neuen Rechtslage. Ziel ist es, umfassende Informationen bereitzustellen und die MAPRO GmbH als fachkompetenten Partner in Fragen der MPU zu positionieren.
Die neue Rechtslage: Cannabisgesetz (CanG) und Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV)
Das Cannabisgesetz (CanG), das am 1. April 2024 in Kraft trat, legalisiert den Besitz und Anbau von Cannabis für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen. So ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit und bis zu 50 Gramm getrocknetem Cannabis im privaten Bereich erlaubt (Bundesgesundheitsministerium, 2025). Diese Neuregelung hat auch Anpassungen in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) nach sich gezogen, die insbesondere den Umgang mit Cannabiskonsum im Straßenverkehr betreffen.
Eine wesentliche Änderung betrifft den THC-Grenzwert im Blutserum für Fahrzeugführer. Ab dem 22. August 2024 gilt ein neuer Grenzwert von 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Dieser Wert ersetzt den zuvor gültigen Grenzwert von 1,0 ng/ml, der seit 2002 bestand (Bundesgesundheitsministerium, 2025). Die Anhebung des Grenzwertes soll eine bessere Differenzierung zwischen einem akuten Rauschzustand und einem länger zurückliegenden Konsum ermöglichen. Es ist jedoch zu beachten, dass für Fahranfänger und Personen unter 21 Jahren weiterhin ein striktes Cannabisverbot am Steuer gilt. Zudem ist die Mischkonsum von Cannabis und Alkohol weiterhin untersagt (Bundesgesundheitsministerium, 2025).
Die Fahrerlaubnis-Verordnung wurde um einen neuen Paragraphen (§ 13a FeV) ergänzt, der die Klärung von Eignungszweifeln bei Cannabisproblematik regelt (FeV, 2024). Demnach kann die Fahrerlaubnisbehörde ein ärztliches Gutachten anordnen, wenn Tatsachen die Annahme einer Cannabisabhängigkeit begründen. Ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) wird erforderlich, wenn Anzeichen für Cannabismissbrauch vorliegen, wiederholt Zuwiderhandlungen unter Cannabiseinfluss begangen wurden, die Fahrerlaubnis aufgrund von Cannabisproblematik entzogen war oder wenn geklärt werden muss, ob Cannabismissbrauch oder Cannabisabhängigkeit nicht mehr besteht (FeV, 2024).
Auswirkungen von Cannabis auf die Fahreignung und Verkehrssicherheit
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat in ihren Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung detaillierte Kriterien für die Beurteilung der Fahreignung bei Konsum von Betäubungsmitteln, einschließlich Cannabis, festgelegt (BASt, 2022). Grundsätzlich gilt, dass Personen, die Betäubungsmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes konsumieren oder von ihnen abhängig sind, in der Regel nicht in der Lage sind, den Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen gerecht zu werden. Ausnahmen sind nur in seltenen Fällen möglich, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Konsum und Fahren getrennt werden und keine Leistungsmängel vorliegen (BASt, 2022, S. 78).
Bei gelegentlichem Cannabiskonsum ist die Fahreignung gegeben, wenn Konsum und Fahren getrennt werden können, kein zusätzlicher Gebrauch von Alkohol oder anderen psychoaktiv wirkenden Stoffen vorliegt und keine Störung der Persönlichkeit oder Kontrollverlust besteht (BASt, 2022, S. 78). Regelmäßiger (täglicher oder gewohnheitsmäßiger) Cannabiskonsum führt in der Regel zur Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen (BASt, 2022, S. 78).
Die Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) hat in einem Bericht zur Legalisierung von Cannabis die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit untersucht (Fastenmeier & Söllner, 2023). Der Bericht weist darauf hin, dass die Wirkungen von Cannabis vielfältig sind und sowohl stimmungsaufhellende als auch euphorisierende Effekte haben können, aber auch Nebenwirkungen wie Beeinträchtigungen des Denk-, Lern- und Erinnerungsvermögens, der Konzentrationsfähigkeit und der psychomotorischen Leistungsfähigkeit mit sich bringen (Fastenmeier & Söllner, 2023, S. 6). Es existieren keine eindeutigen Konzentrations-Wirkungs-Beziehungen für THC, und die Toxikokinetik ist äußerst komplex, was die Bewertung der Fahreignung erschwert (Fastenmeier & Söllner, 2023, S. 7).
Studien zeigen, dass Cannabiskonsum das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, signifikant erhöhen kann. Eine Meta-Analyse von Asbridge et al. (2012) ergab ein um fast 50 % höheres Unfallrisiko für Cannabiskonsumenten im Vergleich zu Nichtkonsumenten. Auch Elvik (2013) bestätigte, dass das Unfallrisiko mit steigender THC-Konzentration im Blut zunimmt. Die DGVP betont, dass eine pauschale Aussage zur Fahreignung bei Cannabiskonsum nicht möglich ist, sondern eine individuelle Begutachtung unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren erforderlich ist (DGVP & DGVM, 2018, S. 2).
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) nach der Cannabis-Legalisierung
Mit den neuen Regelungen zum Cannabisgesetz und der FeV wird die MPU weiterhin eine zentrale Rolle bei der Wiedererlangung oder Erteilung der Fahrerlaubnis spielen, insbesondere wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen. Die MPU dient dazu, die psychische und physische Leistungsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein des Betroffenen zu überprüfen. Bei Cannabisproblematik wird im Rahmen der MPU insbesondere geprüft, ob ein stabiler Einstellungswandel stattgefunden hat und die notwendige Abstinenz eingehalten wird (BASt, 2022, S. 79).
Die MAPRO GmbH bietet eine umfassende und professionelle Vorbereitung auf die MPU an. Unsere erfahrenen Verkehrspsychologen unterstützen Sie dabei, die Anforderungen der MPU zu verstehen und die notwendigen Schritte zur Wiederherstellung Ihrer Fahreignung zu unternehmen. Wir legen Wert auf eine individuelle Beratung und erarbeiten gemeinsam mit Ihnen eine Strategie, die auf Ihre persönliche Situation zugeschnitten ist. Unser Ziel ist es, Sie bestmöglich auf die MPU vorzubereiten, damit Sie Ihre Fahrerlaubnis sicher und verantwortungsbewusst zurückerhalten.
Fazit und kostenlose Erstberatung
Die neuen Gesetze rund um Cannabis und Führerschein erfordern ein hohes Maß an Aufklärung und Sensibilisierung. Es ist entscheidend, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die potenziellen Auswirkungen auf die Fahreignung genau zu kennen. Die MAPRO GmbH steht Ihnen als kompetenter Partner zur Seite, um Sie durch diesen Prozess zu begleiten. Wir bieten eine kostenlose Erstberatung an, in der wir Ihre individuelle Situation analysieren und Ihnen die besten Wege zur Sicherung oder Wiedererlangung Ihrer Fahrerlaubnis aufzeigen. Vertrauen Sie auf unsere Expertise, um auch unter den neuen gesetzlichen Bedingungen sicher und mobil zu bleiben.
Literaturverzeichnis
Asbridge, M., Hayden, J., & Cartwright, J. L. (2012). Acute cannabis consumption and motor vehicle collision risk: a systematic review of observational studies and meta-analysis. BMJ, 344, e536.[https://doi.org/10.1136/bmj.e536](https://doi.org/10.1136/bmj.e536)
Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). (2022). Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung. https://bast.opus.hbz-nrw.de/files/2664/Begutachtungsleitlinien+2022.pdf](https://bast.opus.hbz-nrw.de/files/2664/Begutachtungsleitlinien+2022.pdf
Bundesgesundheitsministerium. (2025). Frequently asked questions on the Cannabis Act. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/en/themen/cannabis/faq-cannabis-act.html
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/en/themen/cannabis/faq-cannabis-act.html
Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) & Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM). (2018). Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) zur Cannabismedikation und Fahreignung.
Elvik, R. (2013). Risk of road accident associated with the use of drugs: a systematic review and meta-analysis of evidence from epidemiological studies. Accident Analysis & Prevention, 60, 15-26.
Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). (2024). Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr.
Fastenmeier, W., & Söllner, M. (2023). Die Legalisierung von Cannabis in verschiedenen Ländern – empirisches Lagebild zu den Auswirkungen auf Risikokennwerte der Verkehrssicherheit, des Gesundheitswesens und der Marktdynamik. Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP).