MPU Glossar

MPU Glossar: Wichtige Begriffe von A bis Z

October 05, 20256 min read

Ein umfassender Leitfaden zu allen relevanten Fachbegriffen rund um die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), Führerscheinentzug, fachärztliche Gutachten und die Fahreignung.

A

AAK (Atemalkoholkonzentration)

Messung des Alkoholgehalts in der Atemluft, der etwa 1/2100 der Blutalkoholkonzentration entspricht. Wird bei Verkehrskontrollen als Schnelltest verwendet.

Abstinenz

vollständiger Verzicht auf Alkohol oder Drogen über einen bestimmten Zeitraum. Bei der MPU ist Abstinenz oft Voraussetzung für ein positives Gutachten.

Abstinenznachweis

forensisch gesicherter Nachweis über den Verzicht auf Alkohol oder Drogen. Erfolgt durch Urin-, Haar- oder Blutanalysen über 6 bis 15 Monate.

Akteneinsicht

Recht, vor der MPU Einsicht in die Führerscheinakte zu nehmen. Enthält alle relevanten Delikte und Hinweise zur Vorbereitung.

Alkohol-MPU

MPU aufgrund von Alkoholauffälligkeiten. In der Regel ab 1,6 ‰ oder bei wiederholten Fahrten unter Alkoholeinfluss.

Amphetamin

Stimulans, das zu den Betäubungsmitteln zählt. Nachweis führt automatisch zum Führerscheinentzug und zur MPU.

Anordnung zur MPU

Behördliche Verfügung der Führerscheinstelle, eine MPU durchführen zu müssen, wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen.

Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis

nach Ablauf einer Sperrfrist kann ein Antrag auf Wiedererteilung des Führerscheins gestellt werden, meist mit MPU.

Aufbauseminar

Seminar für Fahranfänger in der Probezeit bei Verkehrsverstößen. Keine MPU, kann aber MPU verhindern oder vorbereiten.

B

BAK (Blutalkoholkonzentration)

Messung des Alkoholgehalts im Blut in Promille. Ab 1,1 ‰ absolute Fahruntüchtigkeit, ab 1,6 ‰ fast immer MPU.

Barbiturate

Beruhigungs- und Schlafmittel, die bei Missbrauch die Fahreignung ausschließen.

Begutachtungsleitlinien

wissenschaftlich fundierte Richtlinien der BASt zur Fahreignungsprüfung. Grundlage für alle MPU-Gutachten.

Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF)

amtlich anerkannte Stellen (z. B. TÜV, DEKRA), die MPU-Gutachten erstellen.

Benzodiazepine

Arzneimittel gegen Angst- und Schlafstörungen. Missbrauch führt zu Fahreignungszweifeln.

Betäubungsmittelgesetz (BtMG)

Gesetz über den Umgang mit Betäubungsmitteln. Verstöße ziehen Führerscheinentzug und MPU nach sich.

C

CanG (Konsumcannabisgesetz)

Gesetz zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland seit April 2024. Enthält Regelungen für Besitz und Konsum, auch im Straßenverkehr.

Cannabinoide

Wirkstoffe der Cannabispflanze wie THC oder CBD. THC ist psychoaktiv und im Straßenverkehr relevant.

Cannabis-MPU

MPU nach Cannabisauffälligkeiten. Seit 2024 gilt ein THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blutserum.

Carboxy-THC (THC-COOH)

Abbauprodukt von THC, wichtigster Marker im Labor für Cannabiskonsum.

CTU (Chemisch-Toxikologische Untersuchung)

forensische Laboruntersuchung zum Nachweis von Drogen- oder Alkoholkonsum.

CTU-Kriterien

Standards für die Durchführung forensischer Abstinenznachweise (z. B. Identitätskontrolle, Laborqualität).

Cut-off-Werte

Laborgrenzwerte, ab denen Substanzen in Urin oder Haaren als positiv gelten.

D

Defensives Fahrverhalten

vorausschauendes, risikoarmes Verhalten im Straßenverkehr. Wird in der MPU positiv bewertet.

Designerdrogen

synthetische Substanzen wie Ecstasy, LSD oder Amphetamine. Jeder Nachweis führt zu Fahreignungszweifeln.

Diagnostik

Gesamtheit der medizinischen und psychologischen Verfahren zur Beurteilung der Fahreignung.

Droge / Drogenkonsum

alle Substanzen, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen (z. B. Cannabis, Kokain, Opiate).

Drogen-MPU

MPU aufgrund von illegalem Drogenkonsum oder Drogendelikten im Straßenverkehr.

Drogenscreening

Untersuchung von Urin, Haaren oder Blut auf Drogenrückstände.

E

Ecstasy (MDMA)

Partydroge mit stimulierender Wirkung. Nachweis führt zum Führerscheinentzug und MPU.

Eignungsdiagnostik

Verfahren zur Beurteilung der Fahreignung, u. a. medizinische Tests, psychologische Gespräche, Leistungstests.

Eignungsfeststellung / Eignungszweifel

Prüfung oder Feststellung, ob die Fahreignung gegeben ist. Grundlage für MPU-Anordnungen.

Exploration

psychologisches Gespräch während der MPU. Kernstück der Begutachtung.

EtG (Ethylglucuronid)

sensitiver Alkoholmarker in Haar- und Urinproben. Goldstandard für Abstinenznachweise.

F

FAER (Fahreignungsregister)

Register in Flensburg, in dem Verkehrsverstöße mit Punkten gespeichert werden.

Fachärztliches Gutachten

medizinisches Gutachten durch Fachärzte (z. B. Neurologie, Psychiatrie), wenn gesundheitliche Zweifel bestehen.

Fahreignung

Gesamtheit der körperlichen, geistigen und charakterlichen Voraussetzungen zum Führen von Fahrzeugen.

Fahreignungsbegutachtung

Überprüfung der Fahreignung durch medizinische, psychologische und leistungsdiagnostische Methoden.

Fahrerlaubnis

amtliche Berechtigung, Kraftfahrzeuge zu führen.

Fahrerlaubnisentzug (Führerscheinentzug)

Behördliche oder gerichtliche Maßnahme, bei der die Fahrerlaubnis entzogen wird. Grundlage für eine spätere MPU.

Fahrtauglichkeit

aktuelle Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu führen. Kann durch Müdigkeit, Krankheit oder Medikamente beeinträchtigt sein.

FeV (Fahrerlaubnis-Verordnung)

Rechtsgrundlage für Erteilung und Entzug der Fahrerlaubnis sowie für MPU-Anordnungen.

Forensische Bedingungen

Sicherheitsstandards, die Laboruntersuchungen für MPU-Nachweise erfüllen müssen.

Führerschein

Dokument, das die Fahrerlaubnis bescheinigt. Kann bei Entzug eingezogen werden.

G

Gesundheitsamt

Behördliche Einrichtung, die u. a. Gutachten und medizinische Prüfungen im MPU-Kontext durchführen kann.

Glaubhaftigkeit

Kriterium in MPU-Gutachten: Nachvollziehbare und ehrliche Schilderung von Veränderungen und Delikten.

Gutachten

schriftliche Beurteilung der Fahreignung (positiv, negativ oder mit Auflagen).

Gutachter

Verkehrspsychologe oder Verkehrsmediziner, der die MPU durchführt.

H

Haaranalyse

Nachweis von Alkohol oder Drogen über mehrere Monate durch Haarproben.

Hypothesen (Begutachtungskriterien)

standardisierte Annahmen in der MPU, z. B. D2 (fortgeschrittene Drogenproblematik), D3 (Drogengefährdung).

I

Idiotentest

veraltete, abwertende Bezeichnung für die MPU.

K

Kokain

illegale Droge, die zu sofortigem Führerscheinentzug und MPU führt.

Kontrolliertes Trinken

Alternative zur Abstinenz in bestimmten Alkoholfällen, wenn kein Missbrauch vorliegt.

Kraftfahreignung

Gesamtheit der Eigenschaften, die zum Führen von Fahrzeugen notwendig sind.

L

Leistungsdiagnostik

Testverfahren zur Messung von Reaktionsfähigkeit, Konzentration und Belastbarkeit.

Leberwerte

Blutwerte (GGT, GPT, GOT, CDT, MCV), die Hinweise auf Alkoholkonsum geben.

Leistungstest

Computergestützter Test zu Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen.

M

MCV (Mean Corpuscular Volume)

Laborwert, der Alkoholkonsum anzeigt (erhöht nach chronischem Konsum).

Medikamenten-Missbrauch

unsachgemäße Einnahme von Medikamenten (z. B. Benzodiazepine). Relevanter Grund für MPU oder fachärztliches Gutachten.

Medizinische Untersuchung

Teil der MPU: Untersuchung der körperlichen Gesundheit und evtl. Labortests.

Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU)

Behördlich angeordnetes Verfahren zur Klärung der Fahreignung.

Metaboliten

Abbauprodukte von Substanzen, die im Körper nachweisbar sind.

Mischkonsum

gleichzeitiger Konsum von Alkohol und Drogen. Besonders kritisch in der MPU.

Mobilitätskompetenz

Moderne Bezeichnung für alle Fähigkeiten, die eine sichere Verkehrsteilnahme ermöglichen.

N

Nachschulung

verkehrspsychologische Maßnahme zur Verhaltensänderung.

Negativgutachten

MPU-Gutachten, das die Fahreignung verneint. Führt zum Nichtbestehen.

Neuerteilung der Fahrerlaubnis

erneute Erteilung nach positiver MPU und Ablauf der Sperrfrist.

O

Ordnungswidrigkeit / Straftat

rechtliche Verstöße im Straßenverkehr. Schwere Fälle führen zur MPU.

P

PEth-Test (Phosphatidylethanol)

sehr empfindlicher Marker für Alkoholkonsum im Blut.

Positives Gutachten

Gutachten mit dem Ergebnis, dass Fahreignung wieder gegeben ist.

Psychologische Exploration

Einzelgespräch mit dem Psychologen im MPU-Verfahren.

Punktesystem

Bewertungssystem von Verkehrsverstößen in Flensburg. Bei 8 Punkten Entzug der Fahrerlaubnis.

Punktetäter

Fahrende, die durch Punkteauffälligkeiten zur MPU müssen.

R

Reaktions- und Leistungstests

prüfen Reaktion, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit am Computer.

Reaktionstest

Test der Reaktionsgeschwindigkeit in Verkehrssituationen.

Rechtsmittel gegen MPU-Anordnung

Widerspruch oder Klage gegen eine MPU. Selten erfolgreich.

Rehabilitationskurs

Therapie- oder Nachschulungsmaßnahme zur Stabilisierung einer Verhaltensänderung.

Rückfallprophylaxe

Strategien, um Rückfälle in altes Verhalten zu vermeiden.

S

Screening

regelmäßige Untersuchungen auf Substanzkonsum.

Selbstreflexion

wichtige Kompetenz in der MPU, um glaubhaft Veränderungen darzustellen.

Sperrfrist

Zeitspanne nach Führerscheinentzug, in der keine Neuerteilung möglich ist.

Substanzmissbrauch

schädlicher Gebrauch von Alkohol oder Drogen mit MPU-Folgen.

Suchtmittel

Oberbegriff für alle Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial.

T

Therapieauflage

Verpflichtung zu einer therapeutischen Maßnahme vor Wiedererteilung der Fahrerlaubnis.

THC (Tetrahydrocannabinol)

Hauptwirkstoff von Cannabis, beeinträchtigt Fahrtüchtigkeit.

THC-COOH

Abbauprodukt von THC, wichtig für Laboranalysen.

THC-Grenzwert

seit August 2024: 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Überschreitung = Ordnungswidrigkeit.

U

Urinanalyse

Nachweis von Alkohol oder Drogen in Urinproben.

Urinscreening / Bluttest / Haaranalyse

Methoden zum Nachweis von Substanzkonsum, standardisiert nach CTU-Kriterien.

V

Verhaltensänderung

nachweisliche Veränderung von Konsum- oder Fahrverhalten.

Verkehrsmedizin

Fachgebiet zur Diagnostik und Begutachtung von Fahreignung.

Verkehrspsychologe

Spezialist für die psychologischen Teile der MPU.

Verkehrspsychologie

Wissenschaftsdisziplin zum Verhalten im Straßenverkehr.

Verkehrstherapie

therapeutische Begleitung für verkehrsauffällige Personen.

Verwaltungsrechtliche Anordnung

Behördlicher Bescheid über MPU, fachärztliche Gutachten oder Abstinenznachweise.

VPU (Verkehrspsychologische Untersuchung)

Bezeichnung für verkehrspsychologische Begutachtung in Österreich.

W

Wiedererlangung der Fahrerlaubnis

letzter Schritt nach positiver MPU und erfüllten Auflagen.

Wiedererteilung

formelle Ausgabe der Fahrerlaubnis nach positiver Begutachtung.

Wiederholungstäter

Personen mit mehrfachen Verstößen, die besonders streng beurteilt werden.

Hinweis: Dieses Glossar dient der Information und ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen Verkehrspsychologen oder Rechtsanwalt. Die MPU Vorbereitung sollte immer professionell begleitet werden, um die Erfolgsaussichten zu maximieren.

Stand: September 2025

Back to Blog